Ve Kessen-Soltmann

KÜNSTLER II: Ve Kessen-Soltmann, Kostümbild

Bis zur Premiere stellen wir Ihnen die Künstler vor, die an der Realisierung von „Orpheus“ beteiligt sind.

Sie ist in Tunesien geboren, in Kenia aufgewachsen, hat in Deutschland, Marokko, Ägypten und zuletzt zehn Jahre lang wieder in Kenia gelebt. Gerade ist sie für ein Jahr auf Mauritius – als ihr „Orpheus über den Weg läuft“. Die Modedesignerin Ve Kessen-Soltmann, an vielen Orten auf der Welt zuhause, erobert sich nun auch die Theaterwelt und entwirft das Kostümbild für die diesjährige Produktion.

Immer neue Welten

Ursprünglich hatte sie einmal Soziologie studiert. Sie arbeitete in der Entwicklungshilfe und entschied sich dann mit ihrem Mann, auszusteigen. Vor fünf Jahren gründete sie ihr eigenes Modelabel „Camaeon“, das sie in Kenia wie in Deutschland auf den Markt brachte, und arbeitet seither fast ausschließlich als Modedesignerin. All die Welten, all die Kulturen, die sie schon kennengelernt und intensiv erlebt hat, dienen ihr dabei als Inspiration. Nach zehn Jahren, die sie überwiegend in Galu Beach, ca. 30 Kilometer südlich von Mombasa, und in München verbrachte, erschließt sie sich nun neues Terrain: Mit ihrer Familie hat sie sich ein Jahr gegeben, um Mauritius kennenzulernen, das vielleicht eine neue, langfristige Bleibe werden könnte. Neues Terrain aber auch im übertragenen Sinne: Nicht nur möchte sie hier ihr Modelabel voranbringen, ein neues Portfolio entwickeln, sondern auch ins Kostümdesign des Theaters hineinschnuppern – und damit ihrer Theaterleidenschaft nachgeben, die sie seit ihrer Kindheit, seit ersten Tanzschritten auf der Bühne nicht mehr losgelassen hat.

Orpheus wird togafrei

Über die professionelle Zusammenarbeit mit der Regisseurin Ludivine Petit ist sie dabei überaus glücklich – Petits Ideen elektrisierten sie sofort. Sie spiegelten eine neue Betrachtungsweise von Offenbachs Werk. „Als ich Ludivine das erste Mal über Skype sprach, sagte sie direkt nach der Begrüßung: ,Gib mir BITTE keine Togas!'“ Der Weg, den die beiden dann beschritten, orientiert sich also nicht am „historischen Setting“. Auch Offenbach nutzt die antike Götterwelt ja weidlich für die verschiedensten Anspielungen auf seine politische und gesellschaftliche Gegenwart. Die beiden entschlossen sich, die zahlreichen Charaktere des Stücks am Vorbild berühmter Künstlerpersönlichkeiten zu orientieren: Pluto beispielsweise wird von Jimmy Hendrix inspiriert sein, Jupiter von Pablo Picasso, Venus von Ella Fitzgerald. „Meine Aufgabe war es, basierend auf diesen groben Zügen der kompletten Besetzung ein Gesicht zu geben. Mir war es dabei wichtig, mit jedem Einzelnen aus dem Chor persönlich zu sprechen, um herauszufinden, von welchen Künstlern sie sich persönlich inspiriert fühlen. Das Resultat war überwältigend. Mein Wunsch war dabei, dass sich alle in dem Prozess involviert fühlen.“ In der Tat: In ihren Planungen kombinierte Kessen-Soltmann Fotos der Aktuere mit denen der Vorbilder und erzielte damit verblüffende Effekte. So werden bei dieser Inszenierung nicht mehr Napoleon oder die Pariser Oberschicht auf der Bühne stehen, sondern Personen, die uns allen geläufig sind: Maryline Monroe, Frida Kalo, Cher, Elvis Presley, Mohammad Ali, der Guns N‘ Roses-Gitarrist Slash und viele weitere.

Kessen-Soltmanns Arbeit endet übrigens nicht mit den Entwürfen. Zusammen mit zwei Freundinnen übernimmt sie auch Maske und Make Up, und die Kostüme, so sie nicht günstig angeschafft werden können, näht sie ebenfalls selbst.

Im Bild: Ve Kessen-Soltmann bei einem Konzeptionsgespräch für Orpheus

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