Brendon und der Chor

Mit starken Stimmen gegen soziale Ausgrenzung

Brendon Jacquette war vor zwei Jahren Stipendiat unseres Gerda Neudeck-Stipendiums, nun fördert er bereits selbst den musikalischen Nachwuchs auf Mauritius: Aus sozial schwierigen Verhältnissen kommend, diente bereits Brendon das Singen als Rettungsanker. Dieses Geschenk gibt er ehrenamtlich bereits seit mehreren Jahren in der Caritas weiter und seit Januar nun auch in Form von Gesangsunterricht an der DLD (Dolly Lamarque Duc) Teen Hope School in Port Louis auf Mauritius.

Singen als Therapie und Perspektive

84 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 13 und 16 Jahren werden dort seit der Gründung von Dolly Lamarque Duc im Rahmen der NGO Cité La Cure vor 25 Jahren unterrichtet. Es handelt sich um Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen, die vorzeitig die Schule abgebrochen haben und denen über dieses Schulprogramm mit verschiedenen Unterrichtsfächern, Ausflügen sowie Kultur- und Freizeitangeboten eine Perspektive für den Alltag und die Zukunft geboten wird. Passend zur Vision, damit vor allem das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken, lautet das Schulmotto:

We empower our students with the skills and pride that comes from believing in themselves.

Brendon

© VIBE Moris

Ein ganz neues, wichtiges und bereits positiv angenommenes Angebot gibt es seit diesem Jahr: Brendon bringt in der DLD Teen Hope School einer Gruppe von Kindern einmal wöchentlich Gesangstechniken bei, macht sie zum Teil erstmals vertraut mit dem Klang ihrer Singstimmen. Die Direktorin Joyce Lamarque, Schwester der Gründerin, weiß Brendons Engagement sehr zu schätzen:

Brendons Arbeit an der Schule ist sehr wertvoll. Er vermittelt den Kindern die wichtige Bedeutung von Selbstbewusstsein, das durch Musik und Singen besonders gefördert wird. Es handelt sich quasi auch um eine ganz neue Form der Therapie, denn diese Art des Singens ist Neuland in der Gegend, in der die Schule liegt.

Lernen, mit dem Geschenk „Stimme“ umzugehen

Auch die Kinder bzw. jungen Erwachsenen mögen Brendon und das Singen sehr: Viele haben sich bereits dem Chor angeschlossen. Die Konzentriertheit beim Singen, die kraftvollen Stimmen, mit denen die Kinder Brendons Gesang zunächst einstimmig imitieren und seinen Rhythmus aufgreifen, bestätigen das noch einmal mehr! Bei einem ersten schulinternen Auftritt Ende November bildeten sie eine Einheit, andere Schülerinnen und Schüler hörten gebannt zu. Brendons Bericht vom Unterricht mit den Kindern und sein Wunsch, damit etwas für die Kinder und ihre Außenwahrnehmung zu verändern, sind wirklich bewegend:

Diese Kinder haben bisher in ihrem Leben nie gesungen. Das ist eine wirklich große Herausforderung für mich, weil sie nicht wissen, wie sie sich der Musik nähern sollen, sie erlernen oder die richtigen Töne singen können. Ich muss so viele Dinge tun, um ihnen dabei zu helfen, die Noten richtig zu hören und wirklich diese Klänge zu singen. Aber ich gebe ihnen auch die Möglichkeit, ihre eigene Fähigkeit und Kraft kennenzulernen, sie wissen zu lassen, dass sie über ein Geschenk verfügen: ihre Stimmen, mit denen sie singen können. Ihnen das zu vermitteln ist das eine, das andere ihnen dabei zu helfen, wie sie mit dieser Stimme singen und sich selbst über Musik äußern können. Die Kinder kommen zum Teil aus schwierigen Verhältnissen, haben nichts, wenig Bildungsperspektiven, die Umgebung ihrer Wohnorte und der Schule zählen zu Problemvierteln. Viele Menschen sehen diese Kinder aufgrund ihrer Herkunft als ,gefährlich‘ an. Vielleicht kann ich sie umstimmen, diese schlimmen Sichtweisen revidieren, etwas verändern. Das ist mein Wunsch und Ziel.

Brendon und der Chor

Im nächsten Jahr geht’s weiter!

Das Projekt finanziert sich ausschließlich aus Spenden und ist von der Grundidee unserer Mauritius Music Academy (MMA), die inzwischen Music Mauritius Foundation (MMF) heißt, sehr ähnlich: es soll in unserem Fall Musikunterricht vor allem für sozial benachteiligte Kinder ermöglicht werden. Das erste halbe Jahr sponserte Opera Mauritius den Chor für die DLD Teen Hope School. Die Schule wollte Brendon behalten und fand Mittel und Wege für die zweite Hälfte von 2020. Die weitere Zukunft war allerdings bis vor kurzem noch ungewiss:

Damit Brendon auch 2021 dort diesen wichtigen Unterricht fortführen kann, werden wir der Schule das Geld für diesen schönen Zweck spenden. Brendon hat sich darüber sehr gefreut und ist sehr dankbar für die Unterstützung und das Vertrauen in ihn und besonders die Kinder. Er hofft außerdem, nach der Pandemie einmal Deutschland besuchen und neue Erfahrungen sammeln zu können.

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