Pierre et le loup

Vorstellung eines Orchesters

Wie setzt man ein Orchester zusammen? Diese Frage wurde auf Mauritius jüngst gleich in mehrfacher Hinsicht gestellt — und eindrücklich beantwortet. In insgesamt sieben Konzerten wurde nämlich, auf Kreol, das Stück Pier ek bolom loulou aufgeführt. Französischer Titel: Pierre et le loup. Zu deutsch: Peter und der Wolf. Bekanntlich stellt Prokofjews halbstündiges „sinfonisches Märchen“ vom Jungen Peter, der bei dem Großvater auf dem Land wohnt und mit Hilfe seiner tierischen Freunde den Wolf einfängt, Kindern die verschiedenen Instrumente des Orchesters vor. Zugleich wurde damit aber auch ein ganz neues Orchester der Öffentlichkeit präsentiert: „L’ensemble instrumentale des Mascaraignes“. Seit langer Zeit ist es das erste Orchester auf Mauritius, das sich vollständig aus Musikerinnen und Musikern des südlichen Indischen Ozeans zusammensetzt.

Leitung: Philippe Mournetas

Die Initiative geht zurück auf den Klarinettisten Philippe Mournetas. Der gebürtige Franzose unterrichtet normalerweise am Conservatoire à Rayonnement Régionale de la Réunion, und spielt regelmäßig im ebenfalls auf der mauritischen Nachbarinsel angesiedelten Sinfonieorchester. Derzeit nimmt er allerdings ein Sabbatical und lebt auf Mauritius. Den Projekten von Opera Mauritius ist er seit Jahren eng verbunden. Gemeinsam mit Paul Olsen und Opera Mauritius wurde daher nun auch Pierre et le loup realisiert.

Botschafter für die Musik

Gegeben wurden insgesamt sieben Vorstellungen an verschiedenen Schulen auf der Insel, fünf davon auf Kreol, zwei auf Französisch. Die Erzählstimme übernahm die Sopranistin Véronique Zuël, die Übersetzung ins Kreolische hatte die Lehrerin Mélanie Buchet übernommen. Die Kooperation mit den Schulen erwies sich als voller Erfolg: Insgesamt 2500 kleine und große Zuschauerinnen und Zuschauer lauschten, so berichtet Mournetas, gebannt — was übrigens geichermaßen auch für die Botschafter Frankreichs und Indiens gilt, die sich den Konzertbesuch ebenfalls nicht entgehen ließen. Finanziert wurde das Projekt sowohl von lokalen Geldgebern als auch von einem französischen Sponsor, der bei der Überweisung seiner Fördersumme dankbar auf die Infrastruktur der „Freunde“ zurückgriff.

Orchestre

Das Ensemble instrumentale des Mascaraignes mit Philippe Mournetas und Véronique Zuël (rechts).

Ein Orchester

Das neue Orchester ist also vorgestellt — und soll, wenn es nach Mournetas, Olsen und vor allem den Musikerinnen und Musikern selbst geht, unbedingt weiter etabliert werden. Schon im September möchte Mournetas, der fürs erste selbst dirigierte, das nächste Projekt auf die Bühne bringen. Das Orchester setzt sich durchgehend aus Studierten zusammen. Einige von ihnen arbeiten weiterhin als Musiker, zum Beispiel am Conservatoire François Mitterand auf Mauritius, das zugleich auch als Probenort fungierte. Andere von ihnen verdienen ihren Lebensunterhalt in anderen Berufen — und waren dennoch sofort zur Stelle, als es um die Gründung des neuen Ensembles ging. Von Beginn an sei die Probenatmosphäre äußerst professionell gewesen, erzählt Mournetas. Er hatte allerdings auch für einen entsprechenden Rahmen gesorgt, hatten doch alle Beteiligten Arbeitsverträge und auch eine, wenngleich bescheidene, Gage erhalten. „Das ist ein essentieller Punkt“, so Mournetas. „Nur so lässt sich ein professionelles Ergebnis erzielen“ — ein Ergebnis, das dem Niveau des Orchesters, das im Herbst die Lustige Witwe spielte, in nichts nachgestanden habe.
Ebenso wichtig wie gesunde Rahmenbedingungen ist Mournetas ein zweiter Aspekt: Dieses neue Orchester soll nicht importiert sein, sondern konsequent, wo nicht allein aus Mauritius, da doch aus der Region hervorgehen. Es waren also ausschließlich Musikerinnen und Musiker aus Mauritius und La Réunion, die hier auf der Bühne standen. Der Akzeptanz bei der Zuhörerschaft, so Mournetas, leiste das enormen Vorschub.

Auftakt in die Zukunft

Der Auftakt ist also gespielt. Wunsch und Vision aller Beteiligten ist nun, dass sich mit dem neuen Orchester ein ebenso begeisterungsfähiges und hochwertiges Ensemble etablieren kann, wie dies bereits seit einigen Jahren mit dem von Katrin Caine initiierten Chor der Fall ist. Vielleicht kann dann auf absehbare Zeit ein regelmäßiger Konzert- und Opernkalender auf Mauritius geschaffen werden.
Bis dahin ist es freilich noch ein längerer Weg. Aber der Nachwuchs ist da: Über zweitausend Kinder sind zumindest schon einmal darüber instruiert, was ein Horn, eine Oboe, eine Klarinette ist. Der Name übrigens, L’Ensemble instrumentale des Mascaraignes, ist ein spontaner Einfall Mournetas‘, der zu einer Dankrede auf die Bühne trat und im Aufgehen bemerkte, dass noch ein Titel fehlte. Drei Schritte später war der Name da. Und was einen Namen hat, das ist schon angekommen.

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